Schweiz setzt auf Kurzarbeit und Standortqualität – wirtschaftlicher Einbruch nicht erwartet
Die US-Zollpolitik trifft auch die Schweiz: Auf viele Schweizer Exportprodukte wird neu ein pauschaler Zusatzzoll erhoben. Der Bundesrat hat am 28. Mai 2025 die Auswirkungen analysiert und reagiert mit gezielten Massnahmen: Er verlängert die Kurzarbeitsentschädigung und verstärkt die Exportförderung. Ein gesamtwirtschaftlicher Einbruch wird aktuell nicht erwartet, wohl aber Belastungen für einzelne Branchen.
Seit Wochen führt die US-Regierung neue Zusatzzölle ein – auch für die Schweiz. Für viele Exportgüter gelten zehn Prozent Aufschlag, einige Produktkategorien sind ausgenommen, etwa Pharmazeutika und Spezialchemie. Laut news.admin.ch bleibt die Schweiz dank dieser Ausnahmen insgesamt weniger stark betroffen als andere Länder. Dennoch spüren exportorientierte Unternehmen und Zulieferer den Druck deutlich.
Betroffene Branchen kämpfen mit Auftragsverlusten, längeren Vertragsverhandlungen und Kostensteigerungen. Besonders gefährdet sind Arbeitsplätze in der Industrie, die stark in die US-Lieferketten eingebunden ist.
Der Bundesrat hält am bewährten Modell der Kurzarbeitsentschädigung (KAE) fest. Seit dem 14. Mai 2025 gilt eine verlängerte Höchstbezugsdauer von 18 Monaten – bis mindestens 31. Juli 2026. Damit will der Bundesrat Entlassungen verhindern und Unternehmen Planungssicherheit geben.
Gleichzeitig hat das WBF/SECO den Auftrag erhalten, die KAE-Verfahren zu vereinfachen. Ziel sind schnellere Auszahlungen, weniger Bürokratie und flexible Reaktionen auf wirtschaftliche Schocks. Auch eine Ausdehnung auf 24 Monate ist parlamentarisch bereits in Diskussion.
Neben der KAE bleiben die Exportinstrumente im Fokus: Switzerland Global Enterprise (S-GE) betreibt einen Helpdesk und bietet Webinare zur Zollentwicklung an. Zudem ermöglicht die SERV-Exportrisikoversicherung die Absicherung gegen Zahlungsausfälle oder Vertragsstornos infolge von US-Zöllen.
Langfristig setzt der Bundesrat auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Die wirtschaftspolitische Agenda 2024 priorisiert die Standortqualität – u. a. durch neue Freihandelsabkommen, Bürokratieabbau und gezielte Deregulierung.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Entlastung der Unternehmen. Der Bundesrat hat am 14. Mai Bereichsstudien zu Einsparungspotenzialen in der Pharmaregulierung, beim Beschaffungswesen, im Baurecht und bei Industrieauflagen beschlossen. Gleichzeitig sollen alle Departemente mögliche Entlastungen auf Verordnungsebene prüfen.
Ein runder Tisch mit Sozialpartnern und Wirtschaftsverbänden soll die Massnahmen begleiten – mit dem Ziel, gemeinsam konkrete Verbesserungen zu erzielen.
Trotz schwieriger globaler Bedingungen zeigt sich die Schweiz stabil. Mit pragmatischen Instrumenten wie der Kurzarbeitsentschädigung, gezielter Exportförderung und vorausschauender Standortpolitik begegnet der Bundesrat der Herausforderung – ohne in Panik zu verfallen.
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