Reichweite von 1.200 Kilometern – auch modernste Verteidigungssysteme überfordert
Im eskalierenden Konflikt zwischen Iran und Israel sorgt der Einsatz der ballistischen Rakete „Soleimani“ für neue Besorgnis. Die Rakete durchbrach erstmals mehrere israelische Verteidigungsschichten und traf Ziele in Tel Aviv und Bat Yam. Der Iran hatte das neue Waffensystem vor wenigen Wochen offiziell präsentiert. Nun zeigt sich: Die „Soleimani“ markiert eine neue technologische Schwelle, auch für das Schutzsystem Thaad.
Die iranische Rakete „Soleimani“ ist nach General Qassem Soleimani benannt, dem einstigen Kommandeur der Quds-Brigaden, der im Januar 2020 bei einem US-Luftschlag ums Leben kam. Die erste Version wurde bereits im Jahr 2020 vorgestellt.
Die ballistische Mittelstreckenrakete verfügt über ein zweistufiges, feststoffbasiertes Antriebssystem und eine Reichweite von bis zu 1.200 Kilometern. Damit kann sie theoretisch Ziele in ganz Israel sowie US-Stützpunkte im Nahen Osten erreichen. Ausgestattet mit einem modernen Navigationssystem und erhöhter Störresistenz gegenüber elektronischer Kriegsführung, stellt sie eine Herausforderung für moderne Luftverteidigungssysteme dar.
Laut ansa.it wurde die Rakete vom Iran im aktuellen Konflikt bereits eingesetzt und konnte trotz Israels mehrstufiger Abwehrmassnahmen mehrere Ziele erreichen. Betroffen waren unter anderem Gebäude in Tel Aviv und Bat Yam. Die Wirksamkeit der „Soleimani“ sorgte im iranischen Staatsfernsehen und regimetreuen Online-Kanälen für grosse öffentliche Aufmerksamkeit.
Israel hatte sich bisher auf vier gestaffelte Luftverteidigungssysteme gestützt: Iron Dome gegen Kurzstreckenbedrohungen, David’s Sling und Arrow gegen Mittel- bis Langstreckenraketen sowie Thaad als oberste Abfangschicht. Thaad-Raketen, geliefert von den USA nach dem Angriff vom 7. Oktober 2023, sollten insbesondere ballistische Raketen in der finalen Flugphase neutralisieren – auch ausserhalb der Erdatmosphäre.
Der durchschlagende Effekt der „Soleimani“ gilt daher als taktischer Rückschlag für das israelische Verteidigungskonzept.
Thaad („Terminal High Altitude Area Defense“) ist ein US-amerikanisches System zur Abwehr von Mittel- und Langstreckenraketen. Seit 2015 wird es vom US-Militär eingesetzt. Zu den Abnehmerstaaten zählen neben Israel auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Es soll Raketen in Höhen bis zu 150 km abfangen.
Dass die iranische „Soleimani“ dieses System teilweise durchdringen konnte, zeigt die steigende Leistungsfähigkeit iranischer Raketen. Iranische Funktionäre hatten bereits bei der Präsentation erklärt, dass die Rakete explizit gegen fortgeschrittene westliche Luftabwehrsysteme konzipiert wurde.
Über die genaue Zahl einsatzfähiger „Soleimani“-Raketen ist derzeit nichts bekannt. Der selektive Einsatz könnte ein Hinweis auf begrenzte Stückzahlen sein.
Die erfolgreichen Angriffe mit der neuen Rakete verstärken die Unsicherheit in israelischen Ballungsräumen. Besonders in Städten wie Tel Aviv oder Bat Yam wurde bisher auf ein mehrschichtiges Verteidigungssystem vertraut. Der psychologische Effekt, dass selbst hochentwickelte Schutzmassnahmen durchbrochen werden können, ist deutlich spürbar.
Für die Bevölkerung bedeutet dies eine Rückkehr zu verstärkten Vorsichtsmassnahmen, Sirenen, Schutzraumnutzung und unvorhersehbaren Risiken. Israels Verteidigungsstrategie wird unterdessen intern überprüft – besonders hinsichtlich der Anpassung an neue Raketentechnologien.
Mit dem Einsatz der ballistischen Rakete „Soleimani“ demonstriert Teheran eine neue Eskalationsstufe im laufenden Konflikt mit Israel. Die technische Durchschlagskraft stellt Israels bisherige Schutzsysteme auf die Probe. Wie sich das Kräfteverhältnis dadurch verändert, hängt nun davon ab, wie Israel und seine internationalen Partner reagieren.
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