Morde unter Jugendlichen schockieren Neapel

Innert zwei Wochen sind in Neapel drei Jugendliche durch Waffengewalt getötet worden – die Mafia versorgt die Stadt kontinuierlich mit Schusswaffen.

Tödliche Gewalt in Neapel: Drei Jugendliche erschossen

Erneut erschüttert ein tödlicher Vorfall Neapel: Am Wochenende kam ein junger 18-Jähriger ums Leben, als ein Freund mit einer Pistole hantierte und dabei ein Schuss auslöste. Innerhalb von nur zwei Wochen ist er bereits das dritte Opfer von tödlicher Waffengewalt in Neapel. Bemerkenswert und zugleich alarmierend ist, dass die Täter in diesen Fällen ebenfalls minderjährig sind. Am Samstag folgten mehrere Hundert Menschen dem Ruf zu einer Demonstration gegen die eskalierende Gewalt, die sich zunehmend im Alltag der Stadt verfestigt.

Verwahrloste Stadtviertel fördern Gewaltkultur

In den Vororten von Neapel, die seit Jahren mit hoher Armut und wenig Perspektive kämpfen, finden junge Männer oft nur noch in der Gewalt eine Art Lebensinhalt. In diesem Umfeld gedeiht eine regelrechte „Kultur der Waffengewalt“, die bereits Jugendliche mit tödlichen Schusswaffen versorgt und die Hemmschwelle für deren Einsatz massiv senkt. Erst vor wenigen Tagen war ein weiterer tragischer Fall auf dem zentralen Corso Umberto: Ein 15-Jähriger wurde inmitten von Touristen durch einen Schuss getötet, während zwei andere Minderjährige verletzt wurden und im Krankenhaus behandelt werden mussten. Nur wenige Tage zuvor starb ein 19-Jähriger bei einer Auseinandersetzung durch einen 17-Jährigen.

Politik fordert Bildung und soziale Unterstützung

Politiker und Organisationen wie „Save the Children“ warnen seit Langem vor den Folgen sozialer Missstände. In Neapel leben viele Kinder in Armut und ohne Bildungsabschluss – Bedingungen, die, laut Experten, die Wurzel der eskalierenden Gewalt bilden. Gaetano Manfredi, Bürgermeister von Neapel, betonte, dass verstärkte Polizeikontrollen und Videoüberwachung allein die Jugendkriminalität nicht eindämmen können. Ein entscheidender Schritt sei, Bildung und soziale Integration zu fördern, um den Jugendlichen Alternativen zur Gewalt aufzuzeigen.

Einfache Waffenzugänge: Einfluss der Camorra-Mafia

Schusswaffen zu beschaffen, ist in Neapel erschreckend einfach. Laut einem Staatsanwalt sei es „kinderleicht“, an eine Waffe zu gelangen. SRF-Korrespondent Franco Battel führt dies auf die Aktivitäten der Camorra, der lokalen Mafia, zurück, die eine „Kultur der Waffengewalt“ vorantreibe. In Neapel, mehr als in irgendeiner anderen italienischen Stadt, scheint die Bedrohung durch eine Schusswaffe als legitimes Mittel angesehen zu werden, um Respekt und Macht zu erzwingen – eine Denkweise, die junge Männer in den Armutsvierteln der Stadt besonders beeinflusst.

Kriminalität gefährdet Neapels touristisches Image

In den letzten Jahren erlebte Neapel, Italiens drittgrösste Stadt, einen Aufschwung im Tourismus. Mit etwa 930’000 Einwohnern fürchtet Neapel jedoch, dass Überfälle und Morde das Bild der Stadt als Touristenmagnet zunehmend schädigen könnten. Der Tourismus, der vielen Jugendlichen in der Gastronomie und Hotellerie Beschäftigung bietet, ist ein Lichtblick inmitten der sozialen Probleme der Stadt. Doch die wachsende Kriminalität bedroht diese Entwicklung und wirft einen dunklen Schatten auf Neapels Zukunft.

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