Mehr Privatparkplätze, weniger öffentlicher Raum: Basel steuert Parkraum neu

Basel erlebt einen markanten Wandel im Umgang mit Parkplätzen: Während im öffentlichen Raum knapp 500 Parkplätze wegfallen, entstehen im privaten Bereich rund 2’000 neue Abstellmöglichkeiten. Ein Pilotprojekt zur Mehrfachnutzung soll künftig für mehr Effizienz sorgen.

Hintergrund

Der Platz in urbanen Zentren ist knapp – und in Basel hat sich die Parkraumpolitik in den letzten Jahren sichtbar verändert. Zwischen November 2022 und November 2024 verzeichnete die Stadt im öffentlichen Strassenraum ein Minus von 498 Parkplätzen, wie aus dem aktuellen Parkplatzkataster des Kantons hervorgeht. Demgegenüber stehen 2’000 neue Privatparkplätze, die im Rahmen von Neubauten geschaffen wurden – etwa bei der äusseren Burgfelderstrasse, dem Baloise-Campus, im Stücki Science Park oder am Eisenbahnweg im Quartier 4058.

Der Rückgang im öffentlichen Strassenraum ist allerdings relativiert: Zwei Sondereffekte beeinflussen die Statistik – neu erfasste Spezialparkplätze (z. B. Halteverbotsflächen mit Nachtparkiermöglichkeit) sowie die präzisere Erhebung auf dem Bruderholz.

Lage in den Quartieren

Die Verlagerung des Parkraums in private Tiefgaragen zeigt sich besonders deutlich bei Neubauprojekten im Wohn- und Gewerbebereich. Mit Ausnahme des Gebiets 4054 (Neubad/Bachletten) ist in allen Postleitzahlgebieten der Netto-Zuwachs an Parkplätzen positiv. Im Gebiet 4058 (Wettstein/Hirzbrunnen) wurde der grösste Zuwachs verzeichnet.

Ein interessantes Beispiel ist das Quartierparking im Westfeld, das 15 private Parkplätze für Anwohnende zur Verfügung stellt – ein Modell mit Zukunftspotenzial.

Auswirkungen und neue Nutzungskonzepte

Die Stadt verfolgt das Ziel, mehr Raum für Fussgänger, Velowege und Stadtgrün zu schaffen. Mit dem Rückbau von Strassenparkplätzen entsteht Platz für Boulevardgastronomie, Baumalleen oder die Fernwärmeinfrastruktur. Gleichzeitig möchte man die vorhandene Parkraumkapazität effizienter nutzen: Parkplätze in Wohngebieten stehen tagsüber oft leer, während jene bei Geschäften nachts ungenutzt bleiben.

Ein erstes Pilotprojekt zur Mehrfachnutzung startet im September 2025: In der Liegenschaft Hochstrasse 16 werden 50 Tiefgaragenplätze von PSP Swiss Property über die App Share-P zur Tages- oder Wochenmiete angeboten. Gespräche über weitere Pilotstandorte laufen.

Einordnung

Basel steht exemplarisch für den Wandel in vielen Schweizer Städten: Die Transformation von Parkplatzlogik zu Mobilitätsmanagement schreitet voran. Ziel ist es, Mobilitätsbedürfnisse zu bedienen, ohne zusätzlichen Verkehr zu erzeugen. Ein zentrales Element: digitale Tools. Über Anbieter wie Share-P oder Parcandi können bereits heute freie Privatparkplätze gebucht werden – etwa an der Peter Merian-Strasse 58 oder der Hammerstrasse 142, nahe des künftigen Superblocks Matthäus.

Die Parkplatzsituation in Basel verändert sich dynamisch. Während oberirdisch Stellplätze reduziert werden, entstehen in privaten Tiefgaragen neue Kapazitäten. Der Kanton unterstützt diese Entwicklung mit Pilotprojekten und digitalen Lösungen. Eine nachhaltige Mobilitätsstrategie setzt auf Effizienz statt Expansion – und schafft neue Spielräume für eine lebenswertere Stadt.

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