Magyar wirbt in Rumänien um ungarische Wähler

Péter Magyar: Oppositionsführer überquert Grenze zu Rumänien – Ziel: ungarische Minderheit vor Wahl 2026

Der ungarische Oppositionsführer Péter Magyar ist am Samstag zu Fuss nach Rumänien eingereist, um ethnische Ungarn vor Ort politisch anzusprechen. Mit dabei: Unterstützer und eine ungarische Nationalflagge. Die Geste ist Teil einer symbolträchtigen Wahlkampagne der jungen Mitte-rechts-Partei Tisza, die sich anschickt, Premierminister Viktor Orbán bei der Parlamentswahl 2026 herauszufordern. Der Marsch soll konservative Wähler mobilisieren – auch über die Grenzen Ungarns hinaus.

In Rumänien leben rund 1,2 Millionen ethnische Ungarn, vor allem in Siebenbürgen. Ungarns nationalkonservative Regierung unter Viktor Orbán hat diese Gruppen jahrelang gezielt unterstützt – mit finanziellen Mitteln, Bildungseinrichtungen und dem Recht zur Stimmabgabe bei ungarischen Wahlen. Bei der letzten Parlamentswahl 2022 stimmten 94 % dieser Wähler für Orbáns Fidesz-Partei.

Péter Magyar will dieses Wählersegment nun aufbrechen. Seine Partei Tisza, gegründet 2023, tritt als konservativ-reformorientierte Alternative zu Fidesz auf. Erste Umfragen zeigen Wirkung: Magyar liegt bei entschlossenen Wähler:innen bereits vor Orbán – ein Novum seit dessen Machtantritt 2010.

Laut reuters.com begann Péter Magyar seinen Marsch am 12. Mai in Ungarn. Ziel: Der symbolische Schulterschluss mit den ungarischen Minderheiten in Rumänien – ohne nationalistische Untertöne. „Wir fahren dorthin, um Solidarität zu zeigen“, hatte Magyar bei Aufbruch erklärt. Der Oppositionsführer legte den Weg in Wanderkleidung und zu Fuss zurück, machte Station in ländlichen Gemeinden, die bislang stark mit Orbán sympathisieren.

Am Samstag erreichte Magyar mit seinen Unterstützern die Grenze zu Rumänien – mit ungarischer Fahne und klarer Botschaft. Es gehe nicht darum, Spannungen mit Bukarest zu schüren, sondern um Einigkeit unter Ungarn. In Rumänien stiess er auf gemischte Reaktionen: Die ungarisch-rumänische Partei RMDSZ warnte vor populistischen Tönen und verwies auf die Bedrohung durch rechte Kräfte wie den rumänischen Politiker George Simion.

Eine aktuelle Umfrage des ungarischen Thinktanks Publicus, veröffentlicht am Freitag, sieht Tisza bei 43 %, während Fidesz bei 36 % liegt – unter entschiedenen Wähler:innen. Die Zahlen zeigen einen politischen Stimmungswandel, der sich auch in symbolischen Aktionen wie Magyars Grenzmarsch widerspiegelt.

Orbán hatte zuletzt eine mögliche Kooperation mit dem rechtsradikalen George Simion angedeutet, was die RMDSZ scharf kritisierte. Diese sprach sich offen für den zentristischen Präsidentschaftskandidaten Nicusor Dan aus, der die Wahl in Rumänien schliesslich gewann. Die Entwicklungen zeigen: Ungarns Innenpolitik und Rumäniens ethnopolitische Landschaft sind eng verknüpft – nicht nur in Wahlzeiten.

Die Aktion Magyars spielt auch auf historische Bindungen an: Die Grenzregion Siebenbürgen war bis 1920 Teil Ungarns. Heute leben dort viele ungarischsprachige Menschen, deren Identität zwischen zwei Nationen oszilliert. Politische Gesten wie der Marsch Magyars stossen hier auf Resonanz – aber auch auf Skepsis.

Die RMDSZ sieht sich als Vermittlerin zwischen den Staaten, warnt jedoch vor Vereinnahmung. Bürgerbewegungen vor Ort befürchten, dass ungarische Parteipolitik nicht auf die lokalen Bedürfnisse der rumänischen Ungarn eingeht. Die Frage bleibt, ob Magyars Mobilisierung symbolisch bleibt – oder konkrete Wahlerfolge bringt.

Mit seinem Marsch nach Rumänien setzt Péter Magyar ein starkes Signal im Vorfeld der Wahlen 2026: Ungarische Identität endet nicht an der Landesgrenze. Ob die ungarische Minderheit in Rumänien tatsächlich zur Wende in der Innenpolitik Ungarns beiträgt, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Die ethnische Frage wird erneut wahlentscheidend – in Budapest wie in Siebenbürgen.

Der ungarische Oppositionsführer Peter Magyar geht mit seinen Anhängern nach Oradea, um die Unterstützung der ethnischen Ungarn in Rumänien in Tapioszentmarton zu gewinnen. (Bildquelle: reuters.com)
Eine Drohnenaufnahme zeigt den ungarischen Oppositionsführer Peter Magyar, wie er mit seinen Anhängern in Richtung Oradea geht, um die Unterstützung der ethnischen Ungarn in Rumänien in Tapioszentmarton, Ungarn, zu gewinnen (Bildquelle: reuters.com)
Der ungarische Oppositionsführer Peter Magyar geht mit seinen Anhängern nach Oradea, um die Unterstützung der ethnischen Ungarn in Rumänien in Tapioszentmarton, Ungarn, zu gewinnen(Bildquelle: reuters.com)

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