Das älteste Gewerbe der Welt: Ist Prostitution in der Schweiz noch salonfähig?

Sexarbeit zwischen Legalisierung, Stigma und neuen Herausforderungen

In der Schweiz ist Prostitution legal – und doch ist das Thema so tabuisiert wie kaum ein anderes. Zwischen aufklärerischem Schutzgedanken, wirtschaftlicher Realität und gesellschaftlicher Doppelmoral stellt sich die Frage: Wie „salonfähig“ ist das älteste Gewerbe der Welt heute noch?

Legale Arbeit mit vielen Grauzonen

Prostitution ist in der Schweiz erlaubt, geregelt durch das Strafgesetzbuch und kantonale Vorschriften. Wer als Sexarbeiterin oder Sexarbeiter tätig sein will, muss sich oft bei Behörden anmelden und bestimmte Auflagen erfüllen – etwa zur Gesundheitsvorsorge oder zum Aufenthaltsstatus.

Dennoch arbeiten viele Betroffene in der Grauzone: aus Angst vor Stigmatisierung, wegen sprachlicher Barrieren oder fehlender Alternativen. NGOs wie FIZ oder Xenia berichten von prekären Arbeitsbedingungen, Druck durch Dritte und mangelnder sozialer Absicherung.

Von Bordell bis Escort – ein heterogener Markt

Der Schweizer Sexmarkt ist vielfältig. Neben klassischen Bordellen gibt es Escort-Services, Massagestudios, aber auch private Wohnungen, in denen diskret gearbeitet wird. Während in Städten wie Zürich, Genf oder Lausanne eher professionelle Strukturen bestehen, ist das Angebot in ländlichen Regionen oft unreguliert.

Hinzu kommt das Internet: Plattformen wie „Erotik.ch“ oder „6annonce.ch“ haben die Szene digitalisiert – mit neuen Risiken wie Fake-Accounts, digitalem Menschenhandel oder mangelndem Jugendschutz.

Zwischen Akzeptanz und Abwertung

Obwohl Prostitution legal ist, kämpfen Sexarbeiterinnen nach wie vor mit gesellschaftlicher Ablehnung. Viele meiden die Öffentlichkeit, geben keine Interviews oder verwenden Pseudonyme – aus Angst vor Reaktionen aus Familie, Umfeld oder Vermietern.

Politisch herrscht Uneinigkeit: Während die einen das schwedische Modell (Bestrafung der Freier) fordern, plädieren andere für einen verbesserten Schutz der Sexarbeitenden – mit besseren Arbeitsbedingungen, weniger Ausbeutung und mehr Rechten.

Was sich ändern müsste

Fachleute fordern:

  • Entstigmatisierung durch Aufklärung

  • bessere gesetzliche Absicherung

  • klare Regeln für Online-Plattformen

  • mehr Schutz für Migrantinnen

  • Schaffung sicherer Arbeitsräume

Denn: Sexarbeit wird es immer geben. Die Frage ist nur, unter welchen Bedingungen – und mit welchem gesellschaftlichen Umgang.

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